Konnektivismus
Der Konnektivismus ist eine junge Lerntheorie, die sich mit dem Lernen im digitalen Zeitalter befasst. Der kanadische Lerntheoretiker George Siemens veröffentlichte 2005 den Artikel “Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age”, in dem er die Kerngedanken des Konnektivismus formuliert. Er beschreibt den Menschen als vernetztes Individuum zu anderen Menschen und zu dauernd verfügbaren nicht-menschlichen Quellen. Dieses Netzwerk ist seines Erachtens maßgeblich für das Lernen, da es bestimmt, wie wir lernen und nicht was wir lernen. Wissen wird dabei durch Aktionen und Erfahrungen geformt. Besonders der Aufbau neuer Verbindungen zu anderen Knotenpunkten und damit der Aufbau eines Netzwerks kennzeichnen den Lernprozess. Die Vernetzung über Knoten und Verbindungen ist das zentrale Bild für das Lernen.
Die Frage, wo Informationen verfügbar sind, erhält bei Siemens eine gleichwertige Bedeutung zum Wie und Warum. Sich ändernde Umweltverhältnisse fordern die Pflege und den Ausbau der Verknüpfungen im Netzwerk, um den kontinuierlichen Lernprozess zu ermöglichen. Die Fähigkeit, zu lernen, was Morgen gebraucht wird, hat mehr Gewicht als das bereits verfügbare Wissen. Dies beinhaltet auch die Bewertung von Informationen im veränderten Kontext. Die entscheidende Kompetenz, um an das vom Individuum benötigte Wissen zu gelangen, ist die Fähigkeit, passende Wissensquellen zu kennen und diese zu nutzen. Da das Wissen beständig zunimmt, ist der Zugang zum Wissen wichtiger, als das bereits vorhandene Wissen.
Prinzipien des Konnektivismus nach George Siemens (Quelle: Wikipedia)
- Lernen und Wissen beruhen auf der Vielfältigkeit von persönlicher Auffassung.
- Lernen ist der Prozess des Verbindens von spezialisierten Knoten und Informationsquellen.
- Lernen kann in nicht-menschlichen Einrichtungen stattfinden.
- Die Kapazität, mehr zu wissen ist wichtiger als das, was man bereits weiß.
- Das Erhalten und Pflegen von Verbindungen ist unabkömmlich um kontinuierliches Lernen zu ermöglichen.
- Die Fähigkeit, Zusammenhänge zwischen Wissensfeldern, Ideen und Konzepten zu erkennen ist eine Grundvoraussetzung.
- Aktualität des Wissens ist das Ziel eines jeden konnektivistischen Lernens.
- Entscheidungen zu treffen ist ein Lernprozess an sich. Die Auswahl, was zu lernen ist und die Bedeutung der aufgenommenen Information muss aus der Sicht einer sich ständig verändernden Realität gesehen werden. Während es heute eine richtige Antwort gibt, kann sich diese morgen aufgrund von Veränderungen im Informationsklima, welches die Entscheidung beeinflusst, als falsch herausstellen.
Die Rolle des Lehrenden verändert sich durch den vieldeutigen und ordnungslosen Informationsfluss in Netzwerken. Kontrolle wird dabei ersetzt durch Einfluss, d.h. er formt das Netzwerk durch seinen Einfluss.
Die Rollen des Lehrenden im Netzwerk:
- Verstärken: Informationen vom Lehrenden haben mehr Gewicht im Netzwerk; Hervorhebung von Aspekten.
- Kuratieren: Auswahl an Informationen, die dem Lernenden immer wieder zum „drüber stolpern“ angeboten werden.
- Wegfindung und Verständnis durch sozialen Antrieb: Auswahl an empfohlenen Inhalten und Themen durch das Netzwerk; Auswahl von ausgewogenen Knotenpunkten (auch kritischen).
- Zusammenfassen: Das Aufzeigen der sich entfaltenden Struktur (Inhalt und Diskussion) im Gegensatz zur Definition der Struktur im Vorfeld.
- Filtern: Zusätzlich zu den Möglichkeiten des Kuratierens, des Wegfindens und der Zusammenfassung dient der Erfahrungsschatz des Lehrenden als kontinuierlicher Strom an begleitendem Material, der die Auseinandersetzung mit dem Filterprozess unterstützt.
- Vorbild: Lernen heißt auch Üben und Reflektieren. Die praktische Erfahrung auf Basis eines Vorbilds ist ein wesentlicher Faktor im Ermöglichen der vollen Bandbreite des Lernens.
- Beständige Anwesenheit: Der Lehrende braucht eine Online-Präsenz, wo Lernende jederzeit Kontakt aufnehmen können.
