Konnektivismus

Der Konnektivismus ist eine junge Lerntheorie, die sich mit dem Lernen im digitalen Zeitalter befasst. Der kanadische Lerntheoretiker George Siemens veröffentlichte 2005 den Artikel “Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age”, in dem er die Kerngedanken des Konnektivismus formuliert. Er beschreibt den Menschen als vernetztes Individuum zu anderen Menschen und zu dauernd verfügbaren nicht-menschlichen Quellen. Dieses Netzwerk ist seines Erachtens maßgeblich für das Lernen, da es bestimmt, wie wir lernen und nicht was wir lernen. Wissen wird dabei durch Aktionen und Erfahrungen geformt. Besonders der Aufbau neuer Verbindungen zu anderen Knotenpunkten und damit der Aufbau eines Netzwerks kennzeichnen den Lernprozess. Die Vernetzung über Knoten und Verbindungen ist das zentrale Bild für das Lernen.

Wissen entsteht dann, wenn Informationen von einer Entität an eine andere gesendet werden, dies den Zustand der empfangenden Entität verändert und somit die beiden Entitäten verbunden sind. So betrachtet ist Lernen die Fähigkeit, Verknüpfungen herzustellen und diese Verbindungen zu nutzen, um Informationen zu senden. Wissen kann deshalb nicht erworben werden. Vielmehr entsteht es durch das Wachsen oder Weiterentwickeln von Verbindungen im Kopf, als auch das Wachsen und Weiterentwickeln der Verbindungen zwischen Personen. Wissen muss erkannt oder wahrgenommen werden. Gewusst wird nur das, was erkannt wurde.

Die Frage, wo Informationen verfügbar sind, erhält bei Siemens eine gleichwertige Bedeutung zum Wie und Warum. Sich ändernde Umweltverhältnisse fordern die Pflege und den Ausbau der Verknüpfungen im Netzwerk, um den kontinuierlichen Lernprozess zu ermöglichen. Die Fähigkeit, zu lernen, was Morgen gebraucht wird, hat mehr Gewicht als das bereits verfügbare Wissen. Dies beinhaltet auch die Bewertung von Informationen im veränderten Kontext. Die entscheidende Kompetenz, um an das vom Individuum benötigte Wissen zu gelangen, ist die Fähigkeit, passende Wissensquellen zu kennen und diese zu nutzen. Da das Wissen beständig zunimmt, ist der Zugang zum Wissen wichtiger, als das bereits vorhandene Wissen.